45,5 Prozent. So oft stand eine Aktie zwölf Monate nach einem Kursziel am oder über diesem Ziel. Gezählt hab ich alle Kursziele, die über dem damaligen Kurs lagen. Das waren 97.872 Stück zu US-Aktien, ausgegeben zwischen 2015 und September 2025.

Angefangen hab ich damit, weil in fast jeder Aktienmeldung irgendein Kursziel steht. Ich wollte wissen, ob man darauf überhaupt was geben sollte.

Für sich sagt die Zahl wenig. Ob 45 Prozent gut oder schlecht sind, weiß man erst mit einem Vergleich. Also hab ich für jedes Kursziel dieselbe Aktie noch mal ohne Analyst gerechnet. Ich steige an irgendeinem Monatsanfang zwischen 2015 und 2025 ein und schau, ob sie in zwölf Monaten dasselbe Plus schafft, das der Analyst versprochen hat. Das klappt in 45,3 Prozent der Fälle. Der Unterschied liegt bei zwei Zehntel Punkten.

Die Daten sind von Yahoo Finance. Dort steht zu US-Aktien jede Hoch- und Abstufung mit Datum und Kursziel des jeweiligen Hauses. Getestet hab ich 112.584 Kursziele von 204 Häusern zu 483 Aktien, alle mindestens ein Jahr alt. Startpunkt ist der Schlusskurs am Tag vor der Meldung. Ziele von vor einem Aktiensplit hab ich auf die heutige Kursbasis umgerechnet. Sonst wäre bei Nvidia jedes alte Ziel ein Vielfaches zu hoch. 93 offensichtlich falsche Einträge hab ich rausgeworfen, etwa 5 Dollar Kursziel für Eli Lilly bei 71 Dollar Kurs.

Mehr versprochen als geliefert

Im Median liegt ein Kursziel 14,9 Prozent über dem Kurs. Geliefert haben die Aktien nach einem Jahr 11,7 Prozent. Gut ein Drittel stand nach zwölf Monaten sogar im Minus, obwohl ein Analyst Luft nach oben gesehen hat.

Berührt hat der Kurs das Ziel deutlich öfter. In 68,9 Prozent der Fälle kommt er irgendwann im Jahr mal dran. Am Stichtag steht er in 45,5 Prozent drüber. Von denen, die das Ziel erreichen, halten sich also rund zwei Drittel bis zum Ende des Jahres. Ein Drittel fällt wieder darunter.

Je höher das Ziel, desto seltener trifft es. Bei kleinen Versprechen bis 10 Prozent liegt sogar die Aktie ohne Analyst vorne, 57,5 gegen 55,3. Über 50 Prozent Plus liegen die Analysten mit 26,8 gegen 17,7 klar vorne. Klingt nach einem Signal, da wäre ich aber vorsichtig. In meinen Daten sind nur Aktien, die heute noch in meinem Universum sind. Gerade bei den mutigen Zielen fehlen damit die Pleiten.

Das Haus zählt weniger als das Jahr

Von den Zielen aus 2020 lagen 76,4 Prozent richtig, von denen aus 2021 nur 26,3. Wie gut ein Jahrgang trifft, hängt vor allem daran, wie der Markt danach läuft.

Die 47 Häuser mit mindestens 300 Zielen liegen zwischen 39,1 und 59,1 Prozent. Beim besten und beim schwächsten Haus bin ich dann gestolpert. Das ist dieselbe Bank. SunTrust Robinson Humphrey heißt seit August 2020 Truist Securities. Der Abstand von 20 Punkten dürfte also am Zeitraum liegen und nicht an den Analysten.

Erst der Kurs, dann das Ziel

Das hat mich mehr überrascht als die Trefferquote. In den 20 Handelstagen vor einer Kurszielanhebung lag die Aktie im Median 3,3 Prozentpunkte vor dem S&P 500. In 70 Prozent der Fälle war sie besser als der Index. Vor einer Senkung war es umgekehrt, da lag sie 4,3 Punkte hinten. An einem normalen Handelstag ist derselbe Wert null.

Nach der Anhebung kommt nichts mehr. 20 Handelstage später liegt die Aktie im Median 0,2 Punkte hinter dem Index. Das Kursziel läuft dem Kurs hinterher, nicht umgekehrt. Was am Tag der Meldung selbst passiert, ist eine eigene Frage. Gemessen hab ich nur, dass danach nichts mehr nachkommt.

Wo der Test Löcher hat

Es sind nur US-Aktien, für Europa und Asien hat Yahoo die Einstufungen fast nie. Viele Ziele zur selben Aktie überschneiden sich zeitlich, die Fälle sind also nicht unabhängig voneinander. Dividenden sind bei der Trefferquote nicht drin. Gescheiterte Firmen fehlen. Das schönt die Quote der Analysten und den Vergleichswert, aber nicht unbedingt gleich stark. Wie stark das verzerrt, kann ich aus meinen Daten nicht sauber sagen.

Für mich heißt das: Wenn eine Anhebung in den News steht, ist die Bewegung meistens schon passiert.

Daten: Kursziele, Einstufungen und Tageskurse von Yahoo Finance, 483 US-Aktien, 2015 bis September 2025. Eigene Berechnung.

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