Code & Capital - Quant Weekly

KW 41 | 11.10.2026

Datenstand: 11.10.26 07:00 Uhr

Hallo lieber Leser,

diese Woche habe ich auf Reddit nachgerechnet, ob man eine Aktie am Hoch kaufen oder lieber auf den Rücksetzer warten sollte. Der Beitrag kam in r/Aktien auf über 68.000 Aufrufe, der davor zu 112.584 Analysten-Kurszielen auf rund 130.000. Die komplette Tabelle zum Hoch-Beitrag gibt es nur hier im Newsletter, sie steht gleich unten. Wer mitlesen will: https://www.reddit.com/user/derspekulant1

Am Hoch kaufen oder warten? Die Tabelle nach Kaufjahren

Viele kaufen eine Aktie nicht, wenn sie gerade auf einem neuen Hoch steht. Sie warten lieber auf einen Rücksetzer. Ich wollte wissen, was dabei rauskommt. Grundlage sind 483 US-Aktien und alle Tage von 2015 bis 2025, an denen eine davon auf einem 52-Wochen-Hoch geschlossen hat. Das waren 74.221. Verglichen habe ich zwei Anleger. Der eine kauft sofort. Der andere wartet, bis die Aktie zehn Prozent tiefer steht. Der Wartende kam in 57,5 Prozent der Fälle zum Zug und meistens billiger rein. Im Schnitt lag nach zwölf Monaten trotzdem der Sofortkäufer vorne, mit plus 16,3 gegen plus 9,0 Prozent. Verpasst hat der Wartende genau die Aktien, die weitergelaufen sind.

Auf Reddit stand nur das Gesamtergebnis. Hier ist die Aufteilung nach Kaufjahren.

In sieben von elf Jahren war das Hoch ein schlechterer Kauftag als ein beliebiger Tag. In vier Jahren war es andersrum, drei davon sind die letzten drei Jahre. Von 2023 bis 2025 haben Aktien, die schon gut liefen, einfach weiter zugelegt. Wer 10 bis 20 Prozent unter dem Hoch gekauft hat, lag dann hinten. Am deutlichsten zeigt das 2023 mit plus 28,6 Prozent am Hoch gegen plus 16,9. Mehr als die Hälfte der Hoch-Käufe im Minus gab es nur 2021 und 2022. Alle Werte sind Mediane nach zwölf Monaten, mit Dividenden und ohne Kosten.

Markt-Barometer: Kaufen (81/100) 📊

🟢 VIX: 14.8 — Niedrig
🟢 Fear & Greed: 45/100 — Neutral
🟡 Langzins 30Y: 5.6% — Erhöht
🟢 S&P 200MA: 778.6 — 8.2% über 200MA

Markteinschätzung: Die Woche fing stark an und bekam am Donnerstag einen Dämpfer aus der KI-Ecke. Am Montag kündigte Schneider Electric an, den Softwareanbieter PTC für 22,6 Milliarden Dollar zu kaufen und der Nasdaq schloss auf einem Rekord. Am Dienstag zog der S&P 500 mit 7.819 Punkten nach. Am Mittwoch stieg die zehnjährige US-Rendite bis knapp 5,37 Prozent, so hoch wie seit 24 Jahren nicht. Am selben Tag kam das Protokoll der Fed. Die Mehrheit hält bis Jahresende eine weitere Zinserhöhung für wahrscheinlich angemessen. Am Donnerstag berichtete die Financial Times, dass OpenAI für September einen hochgerechneten Jahresumsatz von knapp 50 Milliarden Dollar gemeldet hat. Im Umlauf waren fast 70. Der Nasdaq 100 verlor 1,4 Prozent, Chipwerte wie Nvidia, Micron und SanDisk gaben zwischen 2,9 und 6,5 Prozent ab. Dazu meldeten die Revolutionsgarden einen Angriff auf einen Gastanker und Brent stieg um fast vier Prozent. Am Freitag wurde es ruhiger. Trump sagte, die USA würden den Iran vor den Wahlen am 3. November nicht angreifen und die KI-Werte holten einen Teil auf. Das Konsumklima der Uni Michigan fiel trotzdem auf 46,3 Punkte. Am Ende steht der S&P 500 bei 7.812 Punkten und 1,2 Prozent im Plus. Der Dow gewann 0,9 Prozent, der Nasdaq 0,6. Offen bleibt der Iran. Am Sonntag nannte Teheran die US-Antwort zu Hormus unzureichend.

Quellen:

  • VIX: CBOE/Yahoo Finance, Stand 11.10.2026

  • Fear & Greed: CNN, Stand 11.10.2026

  • Langzins 30Y: Yahoo Finance, Stand 11.10.2026

  • S&P 200MA: SPY via Yahoo Finance, Stand 11.10.2026

Aktie im Fokus: Comfort Systems USA Inc. (FIX)📈

Region: USA 🇺🇸

Score: 67.3 | ROE: 44.6% | Margin: 16.4% | Momentum: +104.5% | P/E: 42.1 | Rev. Growth: 29.5%

Analysten: 8 Analysten | Kursziel: 2.197.00 | +28,1% zum aktuellen Kurs

Datenquelle: yfinance | Scan vom 11.10.2026 07:00

Comfort Systems baut die Technik in große Gebäude ein. Klimaanlagen, Lüftung, Rohre und Elektrik, ein Teil davon kommt fertig vormontiert aus eigenen Hallen. Der wichtigste Kunde ist inzwischen die Technikbranche mit ihren Rechenzentren. Sie brachte im ersten Halbjahr 58 Prozent des Umsatzes, ein Jahr vorher waren es 40. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz von 2,17 auf 3,27 Milliarden Dollar und der Gewinn je Aktie von 6,53 auf 12,53 Dollar. Der Auftragsbestand liegt bei 14,1 Milliarden, 73 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Modell tragen vor allem Momentum und Wachstum. Das Momentum liegt bei plus 104 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei 44,6. Billig ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 42 nicht. Das Risiko hängt am Rechenzentrums-Boom. Der Donnerstag hat gezeigt, wie schnell der Markt an den KI-Ausgaben zweifelt. Die Aktie liegt seit dem Start im März im Wikifolio, am 22. Oktober kommen die Zahlen zum dritten Quartal.

Diese Aktie ist Teil unseres Universums von 923 gescannten Titeln aus 14 globalen Indizes. Die Platzierung im Ranking wird nicht genannt.

News der Woche 🗞️

•[Übernahme] Schneider Electric kauft PTC für 22,6 Milliarden Dollar: Der französische Elektrokonzern zahlt 205 Dollar je Aktie in bar, 42 Prozent mehr als der letzte Schlusskurs. PTC stellt Software für Industriefirmen her. Konzernchef Olivier Blum spricht von einem Meilenstein. Die Schneider-Aktie fiel in Paris bis zu zehn Prozent. Quelle: Börsen-Zeitung | 05.10.2026

•[Notenbank] Fed-Protokoll deutet auf eine weitere Zinserhöhung: Im September hatte die Fed den Leitzins einstimmig auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Laut Protokoll hält die Mehrheit der Teilnehmer bis Jahresende eine weitere Erhöhung für wahrscheinlich angemessen. Viele sehen die Gefahr, dass die teure Energie auf andere Preise übergreift. Quelle: Federal Reserve | 07.10.2026

•[KI] OpenAI meldet weniger Umsatz als gedacht: OpenAI hat Investoren für Ende September einen hochgerechneten Jahresumsatz von knapp 50 Milliarden Dollar genannt. Bei einer anderen Gelegenheit waren es kurz vorher fast 70 Milliarden. Die höhere Zahl entstand laut einer mit der Sache vertrauten Person beim Versuch, sich direkt mit Anthropic zu vergleichen. Zu Jahresbeginn lag der Wert bei 20 Milliarden. Quelle: Reuters | 08.10.2026

•[Energie] Trump holt Diesel aus Russland: Nach einem Telefonat mit Putin kündigte Trump an, dass sofort mehr als 300.000 Tonnen russischer Diesel kommen sollen. Im November sollen 500.000 Tonnen folgen, danach noch einmal vier Millionen. Das Finanzministerium erteilte dafür eine befristete Lizenz. Diesel kostet in den USA im Schnitt 6,23 Dollar je Gallone. Quelle: AP | 09.10.2026

•[Geopolitik] Iran nennt US-Antwort zu Hormus unzureichend: Teheran hatte vor rund zwei Wochen sieben Bedingungen für die Öffnung der Meerenge gestellt. Die USA hätten einige davon angenommen, andere seien offen, sagte Sicherheitschef Mohsen Rezaei im Staatsfernsehen. Washington lehnt eine gemeinsame Verwaltung der Straße durch Iran und Oman ab. Quelle: The National | 11.10.2026

Wissen: Was eine Run-Rate ist und warum sie täuschen kann

Firmen, die sehr schnell wachsen, nennen oft keinen Jahresumsatz, sondern eine Run-Rate. Dafür nimmt man meistens den Umsatz des letzten Monats und rechnet ihn mal zwölf. Bei OpenAI heißt das: knapp 50 Milliarden Dollar im Jahr sind gut vier Milliarden im September. Für so eine Firma ist die Zahl sinnvoll. Der Umsatz vom letzten Jahr sagt bei diesem Tempo wenig, zu Jahresbeginn lag OpenAI noch bei 20 Milliarden. Die Run-Rate hat aber zwei Haken. Ein starker Monat wird einfach aufs ganze Jahr hochgerechnet, auch wenn er eine Ausnahme war. Und es gibt keine feste Regel, was mitzählt. Ob Umsätze über Cloud-Partner wie Amazon oder Google dazugehören, entscheidet jede Firma selbst. Anthropic zählt sie mit, OpenAI in seiner eigenen Rechnung nicht. Daran hing diese Woche ein großer Teil des Unterschieds zwischen 50 und 70 Milliarden. Ein Wirtschaftsprüfer hat so eine Zahl auch nicht geprüft. Wer eine Run-Rate liest, sollte deshalb immer fragen, welcher Monat und welche Rechnung dahinterstecken. Mit Gewinn hat sie übrigens nichts zu tun.

Wikifolio Update:

Die Woche hat das Wikifolio etwas zurückgeworfen. Am Montag stand es noch bei plus 19 Prozent seit Start. Dann kam der Donnerstag. Halbleiter und Speicher sind seit dem Rebalancing fast die Hälfte des Depots und genau die hat der OpenAI-Bericht getroffen. Micron, SanDisk, Marvell und Nvidia liegen alle im Depot. Am Freitag kam ein Teil zurück, über sieben Tage bleibt ein Minus von 1,3 Prozent. Am Regelwerk ändert das nichts.

ISIN: DE000LS9V052

Performance seit Start (13.03.2026):

  • Kurs: 116,33 € (+16.3%)

  • 1 Monat: -2.1%

  • Maximaler Verlust: -14.6%

  • Investiertes Kapital: 4304€

Nächstes Rebalancing: Anfang Januar 2027.

Earnings Kalender 12.10-16.10.26:

Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Aufforderung zum Handel dar. Alle Scores basieren auf einem quantitativen Modell und sind keine Handlungsanweisungen. Investitionsentscheidungen liegen in der alleinigen Verantwortung des Lesers. Datenquellen: Yahoo Finance, cnn.com, CBOE. Alle Angaben ohne Gewähr.

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