Die Aktie, die man seit Wochen auf der Liste hat, steht auf einem neuen Hoch. Jetzt kaufen fühlt sich falsch an. Also wartet man, bis sie zehn Prozent billiger ist. Den Gedanken kennt wohl jeder. Ich wollte wissen, was dabei rauskommt.

Gerechnet hab ich mit 483 US-Aktien. Ein Hoch ist bei mir der höchste Schlusskurs der letzten 52 Wochen. Dafür braucht man ein Jahr Vorlauf. Meine Kurse fangen deshalb 2014 an, die Hochs zähle ich von 2015 bis 2025. Das kam 74.221 Mal vor. Für jeden dieser Tage hab ich zwei Anleger verglichen. Der eine kauft sofort. Der andere wartet, bis die Aktie zehn Prozent unter dem Kurs von diesem Tag schließt, und kauft erst dann. Abgerechnet hab ich für beide am selben Tag, zwölf Monate nach dem Hoch. Wer später eingestiegen ist, war also kürzer dabei. Dividenden sind drin.

Die ersten Monate

Nach drei Monaten ist der Wartende in 30,2 Prozent der Fälle zum Zug gekommen. Nach sechs Monaten in 44,3 Prozent, nach einem Jahr in 57,5. Wenn der Rücksetzer kommt, dauert es im Median 59 Handelstage, also knapp drei Monate.

Man kann auch anders warten. Nicht auf zehn Prozent unter dem heutigen Kurs, sondern auf den nächsten Rückgang um zehn Prozent, egal von welchem Stand aus. Der kommt fast immer, in 94,2 Prozent der Fälle innerhalb eines Jahres. Nur läuft die Aktie vorher oft weiter. In 38,1 Prozent dieser Fälle stand der Kurs nach dem Rückgang immer noch über dem Kurs vom Hoch. Im Median war die Aktie dann gerade mal 3,5 Prozent billiger als am Tag des Hochs.

Wenn er kommt

Dann liegt der Wartende klar vorne. Wer am Hoch gekauft hat, steht in diesen Fällen nach zwölf Monaten im Median bei minus 2,4 Prozent, mehr als die Hälfte liegt im Minus. Der Wartende steht bei plus 9,9.

Und wenn nicht

In 42,5 Prozent der Fälle kam die Aktie nie zehn Prozent zurück. Diese Aktien standen ein Jahr später im Median 25,0 Prozent höher, und nur 4,2 Prozent davon lagen im Minus. Der Wartende hat davon nichts.

Rechnet man alle Fälle zusammen, kommt der Sofortkäufer im Schnitt auf plus 16,3 Prozent und der Wartende auf 9,0. Bargeld hab ich mit null verzinst. Mit drei Prozent Tagesgeld aufs ganze Jahr wären es beim Wartenden höchstens 12. Warten gewinnt also öfter und bringt trotzdem weniger. Verpasst hat man genau die Aktien, die am besten laufen.

Ist das Hoch ein schlechter Kauftag?

Ein bisschen. Zwölf Monate nach einem Hoch lag die Aktie im Median 11,2 Prozent höher. An einem beliebigen Tag derselben Aktien waren es 13,4. Im Minus standen 33,1 gegen 30,6 Prozent.

Weit unter dem Hoch sah es besser aus. Wer gekauft hat, als die Aktie 20 bis 30 Prozent unter ihrem Hoch stand, kam im Median auf 16,6 Prozent. Bei mehr als 30 Prozent Abstand waren es 27,9. Dieser Zahl traue ich am wenigsten. In meinen Daten sind nur Firmen, die es heute noch gibt. Eine Aktie, die 30 Prozent gefallen ist und danach pleiteging oder von der Börse verschwand, ist nicht dabei.

Dazu hängt viel am Jahr. Hochs aus 2021 lagen ein Jahr später im Median bei minus 2,9 Prozent, Hochs aus 2023 bei plus 28,6.

Was sonst fehlt

Es sind nur US-Aktien. Kosten und Steuern sind nicht drin. Viele Hoch-Tage derselben Aktie liegen direkt hintereinander, die Fälle sind also nicht unabhängig. Nehme ich nur das erste Hoch je Aktie und Monat, kommt fast dasselbe raus, der Rücksetzer kommt dann in 57,4 Prozent der Fälle. Und ein 52-Wochen-Hoch ist kein Allzeithoch. Mit dem höchsten Kurs seit 2014 gerechnet sind es 10,3 statt 11,2 Prozent nach zwölf Monaten.

Ich nehme daraus mit, dass ein Hoch allein kein Grund ist, eine Aktie liegen zu lassen. Wer trotzdem wartet, sollte vorher wissen, was er macht, wenn der Rücksetzer nicht kommt.

Daten: Tageskurse und Dividenden von Yahoo Finance, 483 US-Aktien, 2014 bis 2025. Eigene Berechnung.

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